Warum Veränderung so schwer ist - und wie du sie trotzdem schaffst
- Angelika Stehle

- 10. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit

1 | Veränderung klingt leicht - bis sie echt wird
Fast jeder kennt diesen Satz: „Ich will endlich etwas verändern.“Doch zwischen Wollen und Tun liegt eine unsichtbare Grenze - die Zone, in der wir festhängen.
Viele Menschen erleben diese Phase als Frust: Sie wissen, dass der alte Weg nicht mehr passt, aber der neue ist noch nicht sichtbar. Das ist kein persönliches Versagen – es ist biologisch erklärbar.
Unser Gehirn liebt Stabilität. Es schützt uns vor Unsicherheit, auch wenn diese Stabilität uns unzufrieden macht.
2 | Was im Gehirn passiert, wenn du dich veränderst
Veränderung fordert dein Gehirn heraus. Das limbische System - besonders die Amygdala, das Zentrum für Angst und Sicherheit- reagiert auf Neues mit Alarm. Es sendet das Signal: „Vorsicht, Gefahr!“
Neurobiologisch betrachtet entsteht Widerstand also nicht, weil wir „zu schwach“ sind, sondern weil unser Gehirn versucht, uns zu schützen. Erst wenn der präfrontale Cortex (der Bereich für bewusste Entscheidungen) übernimmt, können wir bewusst gegen diesen Instinkt arbeiten.
Die gute Nachricht: Gehirne sind formbar. Dieser Prozess heißt Neuroplastizität – die Fähigkeit, neue neuronale Verbindungen aufzubauen. Jede kleine neue Handlung, die du wiederholst, legt ein neues Muster an. So entsteht Veränderung von innen heraus - nicht plötzlich, sondern Schritt für Schritt.
🧠 Studie: Laut der Psychologin Phillippa Lally dauert es im Durchschnitt 66 Tage, bis ein neues Verhalten zur Gewohnheit wird. Manche schaffen es in 18 Tagen, andere brauchen über 200 - entscheidend ist die Wiederholung, nicht das Tempo.¹
3 | Warum du dich selbst sabotierst - und es nichts mit Disziplin zu tun hat
Wenn du schon oft gestartet und wieder aufgehört hast, liegt das meist nicht an fehlender Motivation, sondern an alten Routinen. Dein Gehirn bevorzugt das Bekannte, weil es weniger Energie kostet. Forscher der University of Southern Californiafanden heraus, dass etwa 40–45 % unseres Alltags aus Gewohnheiten besteht – Handlungen, die automatisch ablaufen, ohne bewusste Entscheidung.²
Das erklärt, warum Veränderung so viel Energie zieht: Du arbeitest nicht nur an neuen Zielen, sondern gegen dein eigenes neuronales Betriebssystem.
4 | Strategien, die Veränderung wirklich möglich machen
1. Mini-Schritte statt Riesen-Sprünge
Große Veränderungen überfordern das Gehirn. Besser: kleine, konkrete Schritte.Statt „Ich will meinen Job wechseln“ → „Ich informiere mich morgen 15 Minuten über Berufe, die mich interessieren.“Jeder kleine Erfolg schüttet Dopamin aus – das stärkt dein Belohnungssystem und motiviert zum Weitermachen.
2. Umgebung gestalten
Veränderung braucht einen passenden Kontext. Wenn du deine Umgebung anpasst - etwa deinen Arbeitsplatz, deine Routinen oder dein soziales Umfeld - unterstützt du das neue Verhalten automatisch. Die Psychologin Wendy Wood nennt das den Kontext-Effekt: Neue Umgebungen unterbrechen alte Gewohnheiten.³
3. Gefühle ernst nehmen, nicht verdrängen
Veränderung ist emotional. Angst, Zweifel und Unsicherheit sind normal - sie sind Teil des Wachstumsprozesses. Statt dagegen anzukämpfen, hilft es, sie zu beobachten: „Aha, mein System reagiert mit Alarm - aber das heißt nicht, dass ich aufhören muss.“
4. Reflexion & Begleitung
Allein fällt Veränderung schwer. In der Jobwerkstatt nutzen wir strukturierte Coaching-Tools, die Reflexion fördern:
Wofür lohnt sich dieser Weg?
Welche Werte stehen dahinter?
Was ist das kleinste, machbare Experiment?
Diese Fragen aktivieren Selbstwirksamkeit – die Überzeugung, Dinge beeinflussen zu können.
Studien zeigen: Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit halten doppelt so lange an Veränderungen fest.⁴
5. Selbstmitgefühl statt Druck
Selbstkritik blockiert Lernprozesse. Wenn du freundlich mit dir umgehst, bleibst du flexibler - und dein Gehirn speichert neue Erfahrungen leichter ab. Laut der Psychologin Kristin Neff steigert Selbstmitgefühl die Resilienz messbar.⁵
5 | Veränderung als Lernprozess
Jede Veränderung ist ein Experiment. Es geht nicht darum, sofort das perfekte Ergebnis zu erreichen, sondern das eigene Muster zu verstehen. Veränderung ist kein Sprint, sondern ein Tanz zwischen Unsicherheit und Entfaltung.
„Man wächst nicht, wenn alles einfach ist. Man wächst, wenn man entscheidet, es trotzdem zu tun.“
6 | Wenn du loslaufen willst
Wenn du spürst, dass dich dein jetziger Weg müde macht, ist das kein Zufall. Es ist ein inneres Signal, dass Neues entstehen will. Die Jobwerkstatt begleitet dich genau in dieser Phase - zwischen „Ich weiß, dass ich will“ und „Ich trau mich zu starten.“
Denn Veränderung ist leichter, wenn du sie nicht allein gehst.
Für Fragen stehe ich dir jederzeit zur Verfügung.
Deine Angelika
Quellen:
Lally, P. et al. (2010): How are habits formed: Modelling habit formation in the real world. European Journal of Social Psychology.
Neal, D. et al. (2012): The Science of Habit. University of Southern California.
Wood, W. et al. (2016): Changing circumstances, disrupting habits.
Bandura, A. (1997): Self-Efficacy: The Exercise of Control.
Neff, K. (2003): Self-Compassion: An Alternative Conceptualization of a Healthy Attitude Toward Oneself.




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